Kiel - Stadt an der Förde

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Auf der linken Seite seht Ihr die Basisdaten, das Kieler Stadtwappen und die Lage Kiels in Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik.

Auf dem unteren Bild sieht man einen Teil des Kieler Hafens; im Vordergrund den Norwegenkai und auf der anderen Wasserseite den Schwedenkai. Auf der rechten Seite ist die Altstadt zu sehen, mit dem "Kleinen Kiel" und dem Bootshafen. Man kann noch deutlich erkennen, dass Kiel einmal von Wasser umschlossen war. In der Mitte oben, sieht man das Rathhaus und das Opernhaus und auf der linken Seite die Ostseehalle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kiel um 1650

Die See hat uns mehr als den Namen gegeben. Vom „Kyl“ - der niederdeutschen Bezeichnung für die keilförmige Förde bekam die Holstenstadt „Tom Kyle“ 1242 ihren Namen. 1992 feierte Kiel sein 750 jähriges Bestehen als Stadt. Von der See, durch die Förde kommen auch die Einflüsse aus aller Herren Länder, die das Leben und den Charakter unserer Stadt geprägt haben.

 

 

 

Die Geschichte kurz Zusammengefasst

Kiel wurde zwischen 1233 und 1242 von Graf Adolf IV. von Holstein aus dem Hause Schauenburg gegründet. Nur bei Kiel stieß das alte deutsche bzw. sächsische Territorium an die Ostsee - nördlich der Levensau lag dänisches, östlich der Schwentine slawisches Gebiet. Damit war Kiel eine der nördlichsten Städte im Heiligen Römischen Reich. -- Der ursprüngliche Stadtname lautete Holstenstadt tom Kyle ("die Holstenstadt an der Förde)". Kyle heißt Keil und meint hier im Speziellen die Förde, eine Meeresbucht, die wie ein Keil weit ins Land hinein schneidet. Im Sprachgebrauch wurde der lange Name zu tom Kyle verkürzt und schließlich zu Kiel (das y im alten Namen ist ein langes i).

 

Stadtgründer Graf Adolf IV. von Schauenburg geboren um 1200, gestorben um 1261 im Kieler Kloster

 

Bis zur Nazizeit (1933 - 1945) existierte im Bewusstsein der Menschen eine weitere, viel ältere und plausiblere Erklärung für den Namen der Stadt Kiel. Diese zweite Erklärung ist seither total in Vergessenheit geraten: Das Gewässer "Kleiner Kiel", das den Altstadtbereich fast total umschließt, ist ein ehemaliges "Noor", das so gar nicht nach einem Keil (Kyl) aussieht und auch nie ausgesehen hat! (Die Grundstücke des Rathauses, des Stadttheaters, der Holstenbrücke, der Hiroschima Park und der Berliner Platz sind zugeschüttete Bereiche dieses Noors!) Dieses ehemalige Noor bildete - ähnlich wie in Haithabu an der Schlei - einen sicheren Naturhafen für die seefahrenden Wikinger. Es ist darum nicht verwunderlich, dass Ortsbezeichnungen wie Brunswiker Straße, der Stadtteil Wik und auch die Förde ihren Namen aus der Wikingersprache erhalten haben. Das alte nordische Wort "Kijl" [gesprochen = Kijel] (Siehe auch Roskilde = Rosstränke) bedeutet Quelle, also gutes Trinkwasser, auf das die seefahrenden Wikinger angewiesen waren. Eine "Wik" (sicherer Naturhafen) ohne gutes Trinkwasser, also eine Quelle = Kijl, war für die Wikinger kein guter Hafen! Wer sich alte Karten von Kiel anschaut wird mehrere kleine Bäche finden, die alle in das Noor, den "Kleinen Kiel" münden. Genau dort, wo sich der sichere Naturhafen - die Wik - befand, konnte man damals gutes Trinkwasser aus den Bächen schöpfen. Die Bäche sind heute alle kanalisiert und darum nicht mehr sichtbar. Diese damaligen Trinkwasserquellen = Kijls können also durchaus der eigentliche Ursprung (!) des Namens "Kiel" sein.

Kiel um 1910

 

Das Siegel der Stadt Kiel aus dem Jahre 1365 zeigt eine Kogge mit Heckruder. Deckaufbauten fehlen.

Siegel der Stadt Kiel 1365

1242 erhielt Kiel das Stadtrecht
1283 Eintritt in die Hanse
1301 war die Stadt befestigt
1329 von einer Stadtmauer umgeben
1460 Unterzeichnung des Vertrags von Ripen
1469 Erstmalige Erwähnung des Kieler Umschlags
1518 Kiel wird aus der Hanse ausgeschlossen
1665 Gründung der Christian-Albrechts-Universität durch Herzog Christian Albrecht von Gottorf - die CAU ist damit die nördlichste Universität im römisch-deutschen Reich
1728 Im Kieler Schloß wird der spätere russische Zar Peter III. als Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Holstein-Gottorf geboren
1773 kommt die Stadt an den dänischen König
1803 Errichtung eines Botanischen Gartens
1813 wird Kiel im Kosakenwinter von Schweden eingenommen
1814 Frieden von Kiel: Das Herzogtum Holstein wird weiter vom dänischen König regiert
1815 Holstein, das bis 1806 Teil des Heiligen Römischen Reiches gewesen war, wird Mitglied des Deutschen Bundes
1838 Gründung der Maschinenbauanstalt Schweffel und Howaldt, Kiels erster großer Betrieb, aus dem später die heutige HDW hervor geht
1844 Mit der Eisenbahnlinie nach Hamburg wird Kiel als eine der ersten Städte an das deutsche Schienennetz angeschlossen
1848 In Kiel konstitutiert sich eine provisorische schleswig-holsteinische Regierung, die sich für die Unabhängigkeit von Dänemark einsetzt
1850 Mit dem Brandtaucher wird in Kiel das erste U-Boot der Welt gebaut
1864 Eroberung Schleswig-Holsteins durch Preußen und Österreich im Deutsch-Dänischen Krieg; Kiel wird zunächst von Preußen und Österreich gemeinsam verwaltet
  Am 24. März 1865 ordnet der preußische König die Verlegung der Ostsee-Marinestation von Danzig nach Kiel an. Ab da entwickelt sich Kiel zur Großstadt. Mit der Marine kommt auch die Norddeutsche Werft (später Germania-Werft) als zweiter Schiffbaubetrieb nach Kiel
1866 wird Kiel ganz preußisch. Das Artilleriedepot (ab 1891 Kaiserliche Torpedowerkstatt) wird eingerichtet. Hier werden unter anderem Über- und Unterseewaffen entwickelt
1867 Kiel wird Kriegshafen des neugegründeten norddeutschen Bundes und Sitz des aus den Ämtern Bordesholm, Cronshagen, Kiel und Neumünster gebildeten Kreises Kiel
1871 In der neuen Reichsverfassung heißt es in Artikel 52, Absatz 2:Der Kieler Hafen und der Jadehafen sind Reichskriegshäfen
1873 Die Kieler Werftarbeiter beginnen sich zu organisieren: Gründung des Allgemeinen Deutschen Schiffszimmerer-Vereins
1878 nimmt mit der Kaiserlichen Werft die dritte Großwerft ihren eigentlichen Betrieb auf (vorher Marinedepot seit 1865)
1882 Die erste Kieler Woche findet statt
1883 Kiel scheidet aus dem gleichnamigen Kreis aus und wird eine kreisfreie Stadt; Sitz des Kreises Kiel wird die Stadt Bordesholm
1885 Erstmals wird die "Kieler Woche" als Kombination von Schiffsparade, Segelregatten und Volksfest veranstaltet
1887 Kiel wird deutscher Reichskriegshafen; rasantes Bevölkerungswachstum durch die Ansiedlung der Werftindustrie
1893 Das Kieler Gewerkschaftskartell wird gegründet und hat zu Anfang 2.900 Mitglieder
1895 Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals (heute Nord-Ostsee-Kanal), welcher bald die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt wird. In der Folge wird Kiel zum Haupthafen der deutschen Flotte
1907 Der Kreis Kiel wird in Kreis Bordesholm umbenannt; Kiel selbst bleibt weiterhin kreisfrei
1913 Am Vorabend des Ersten Weltkriegs arbeiten auf der Kaiserlichen Werft 6.900, auf der Germania-Werft 6.800, und bei den Howaldtwerken 3.700 Personen. Mehr als 30.000 Kieler waren Marineangehörige
1917 Kiel wird Sitz des Oberpräsidiums der preußischen Provinz Schleswig-Holstein und somit quasi "Landeshauptstadt". Vorher befand sich das Oberpräsidium in Schleswig
1918 Mit dem Matrosenaufstand endet der Erste Weltkrieg. Am 3. November erheben sich hier die Matrosen, gründen am 4. November den ersten Arbeiter- und Soldatenrat Deutschlands und begannen somit die Novemberrevolution, welche innerhalb weniger Tage ganz Deutschland erfasst und mit der dadurch erzwungenen Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. die Grundsteinlegung zur ersten deutschen Republik, der Weimarer Republik bildete
1928 Der Zivilflughafen Kiel-Holtenau wird in Betrieb genommen
1932 Der Kreis Bordesholm (bis 1907 Kreis Kiel) wird aufgelöst und sein Gebiet auf die Kreise Rendsburg, Segeberg und Plön aufgeteilt
1936 Kiel wird zum ersten Mal Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe. Im Landesarchiv Schleswig-Holstein existiert ein Film von Leni Riefenstahl über dieses Ereignis
  Im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 wird Kiel wegen der militärischen Bedeutung (Kriegshafen, Werften) zu 80% zerstört. Die Integration der vielen ostdeutschen Kriegsflüchtlinge aus dem Baltikum, Ost- und Westpreußen, Pommern und Mecklenburg stellt die Stadt vor zusätzliche Herausforderungen. In den Nachkriegsjahren wird es unter damals modernen Gesichtspunkten neu aufgebaut. Die Stadt entwickelte sich bald wieder zum wirtschaftlichen, politischen und geistigen Zentrum Schleswig- Holsteins
1946 Kiel wurde unter britischer Besatzung Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein
  Der große deutsche Erfinder Rudolf Hell, der ab 1947 in Kiel lebt und arbeitet, stellt 1956 das erste Faxgerät vor
1963 den ersten Scanner und 1965 den digitalen Lichtsatz, der das Druckwesen auf der Welt revolutioniert
1968 läuft mit der NS Otto Hahn bei HDW das erste und einzige deutsche Atomschiff vom Stapel
1970 Im Rahmen der schleswig-holsteinischen Kreisreform werden die Kreise Rendsburg und Eckernförde vereinigt. Seither gehört das Kieler Umland zu den Kreisen Rendsburg-Eckernförde und Plön
1972 Kiel wird zum zweiten Mal Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe, diesmal im Stadtteil Schilksee
1975 wird der Kieler Umschlag als modernes Volksfest wiederbelebt
1982 feiert die Kieler Woche ihr hundertjähriges Bestehen
1985 Einstellung der Straßenbahn (zuletzt Linie 4)
1992 750 Jahre Stadt Kiel
1994 Die 100. Kieler Woche wird veranstaltet (in den Kriegsjahren von 1915-1919 und 1940-1946 fanden keine Kieler Wochen statt)
1995 Hundertjähriger Geburtstag des Nord-Ostsee-Kanals
1997 Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Oberbürgermeister (Norbert Gansel, SPD) direkt gewählt
2003 Bei den Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlen wird die SPD abgewählt und zum ersten Mal in der Stadtgeschichte eine Frau, Angelika Volquartz (CDU), Oberbürgermeisterin
2003 Die Bewerbung Kiels als drittmaliger Austragungsort der olympischen Segelwettbewerbe 2012 scheitert im Auswahlverfahren des NOK zugunsten Rostocks, welches dann zusammen mit Leipzig Bewerberstadt auf internationaler Ebene war. Die Stadt hält dennoch an dem Projekt Kiel Sailing City fest, welches unter anderem allen Schülern der Stadt Segelunterricht verspricht

Ansichten von unten und von oben

Kieler Rathausturm

Der 106 m hohe Kieler Rathausturm ist ein Wahrzeichen der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel. Man kann ihn zu Fuß besteigen oder auch mit dem Aufzug bis zur Aussichtsplattform fahren und wird dort mit einem wunderschönen Ausblick über die Innenstadt und den Kieler Hafen belohnt.

Vom Turm ertönt viertelstündlich ein Glockenspiel, welches mit jeder Viertelstunde ein weiteres Viertel der Melodie hören lässt. Wegen der schon beim Bau des Rathauses weit über Plan gestiegenen Kosten unterlegte der Kieler Volksmund das Glockenspiel von Beginn an mit dem Spottvers: „Kiel hett keen Geld / dat weet de Welt / ob's mal wat kriecht / dat weet man nich.“

Der Rathausturm ist Bestandteil des in den Jahren 1907 bis 1911 am Rathausplatz durch den Architekten Hermann Billing erbauten Kieler Rathauses, welches das für die damals stark wachsende Marine- und Werftenstadt zu klein gewordene Rathaus am Alten Markt ersetzte. Dieses „Alte Rathaus“ wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf einige Kellergewölbe vollständig zerstört. Mittlerweile bietet auch das Haus am Rathausplatz nicht mehr genügend Platz für die städtischen Ämter, so dass heute zusätzlich Teile des ehemaligen Gebäudes der Oberpostdirektion in der Andras-Gayk-Straße als „Neues Rathaus“ dienen.

Foto oben: Arne List